Ausbildung

Es gibt verschiedene Ausbildungswege zum Berufs- bzw. Linienpiloten, die rund eineinhalb bis zwei Jahre dauert. Der wichtigste Unterschied besteht in der Art des Kurses:


Integrierte Ausbildung

Bei dieser Ausbildungsform absolviert ein Student die Pilotenausbildung ohne Unterbrechung, und wird innert 15-20 Monaten sozusagen «vom Fussgänger zum Linienpiloten» ausgebildet.

Vorteile

  • Die gesamte Ausbildung erfolgt bei derselben Flugschule in demselben Kurs.
  • Die Lehrinhalte sind optimal aufeinander abgestimmt.
  • Es müssen keine Wissenslücken nach Unterbrüchen geschlossen werden.
  • Der Gesetzgeber erlaubt wegen der Lückenlosigkeit des Trainings reduzierte Flugstundenzahlen bei der Ausbildung.

Nachteil

  • Der Lebensunterhalt muss sorgfältig geplant werden. Es besteht keine Möglichkeit, während dieser Ausbildungszeit nebenher Geld zu verdienen.

Modulare Ausbildung

Die Pilotenausbildung wird in einzelne Module aufgeteilt, die zeitlich und örtlich getrennt absolviert werden können. Dies bedingt eine verlängerte Ausbildungszeit, je nach zeitlicher Verfügbarkeit des Kandidaten.

Vorteile

  • Kleinerer Aufwand, um den Lebensunterhalt in der Ausbildungszeit zu gewährleisten, da nach verhältnismässig kurzen Ausbildungszeiten wieder im angestammten Beruf Geld verdient werden kann.
  • Flexibilität bei der Wahl der Flugschule (einzelne Module können bei unterschiedlichen Flugschulen absolviert weden).

Nachteile

  • Ausbildung ist meist ein «Patchwork» von verschiedenen Anbietern (und damit Lernmittel, Unterrichtsmethoden etc.).
  • Ausbildung dauert zeitlich länger, und der Gesetzgeber verlangt mehr Ausbildungsstunden/Flugstunden.

Ausbildungsphasen

Privatpilotenlizenz (PPL)

In dieser Phase lernt ein Pilotenschüler die Grundlagen des Fliegens. Im Theorieunterricht werden die nötigen Kenntnisse in Navigation, Kommunikation (Voice), Meteorologie, Flugmechanik und -physik, Flugmedizin sowie Flugrecht erlangt. Daneben absolviert ein Schüler die «ersten Schritte» auf einem einmotorigen Schulflugzeug und bildet sich nach dem ersten Soloflug mit seinem Fluglehrer auf Navigationsflügen weiter. Diese Phase endet in der modularen Ausbildung mit dem Erlangen der Privatpilotenlizenz, die zum nichtgewerbsmässigen Betrieb von kleinen Flugzeugen bis 5,7t Masse bei Schönwetter und bei Tag berechtigt. Es können diverse zusätzliche Berechtigungen erlangt werden, wie z.B. für Nachtflug, Kunstflug, Fallschirmabsetzen oder Segelflugzeugschlepp.

Berufspilotenlizenz - Commercial Pilots License (CPL)

In dieser Phase weden die Kenntnisse in allen Fächern vertieft und mit weitere Flugstunden auf ein- und zweimotorigen Flugzeugen eine solider Grundstock an Erfahrung aufgebaut, um anschliessend Passagiere kommerziell transportieren zu können. Sie endet mit dem Erhalt der Berufspilotenlizenz, die zum gewerbsmässigen Transport von Passagieren oder Fracht berechtigt, allerdings noch immer nur unter Schönwetterbedigungen und mit Kleinflugzeugen bis 5.7t. Aus diesem Grund ist diese Phase bei den meisten Flugschulen gekoppelt an die nächste Phase, die Instrumentenflugberechtigung.

Instrumentenflugberechtigung - Instrument Rating (IR)

Um auch bei schlechtem Wetter oder Nebel operieren zu können, muss der Pilotenschüler eine weitere Berechtigung erlangen: Die Instrumentenflugberechtigung. In weiteren Theorieblöcken wird vor allem dem Thema Navigation grosse Beachtung geschenkt, und die teilweise komplizierten Flugregeln auf den internationalen Luftstrassen, die lateralen und vertikalen Abstandsregeln zu Hindernissen und Gelände, sowie die verschiedenen Instrumenten-Anflugverfahren auf Flughäfen erlernt. Da die Operation in schlechtem Wetter meist einhergeht mit meteorologischen Gefahren wie Blitzschlag, Vereisung, Starkregen oder Schneefall, wird auch das Wissen über diese Ereignisse sowie die Gegenmassnahmen vertieft. Die Phase endet mit dem Erhalt der Instrumentenflugberechtigung.

Linienpilotentheorie - Airline Transport Pilots License (ATPL)

Diese letzte Phase besteht aus einem grossen Theorieblock, der sich vertieft der Operation von Jetflugzeugen sowie den operationellen, navigatorischen, meteorologischen, sprachlichen, flugmedizinischen und rechtlichen Eigenheiten der internationalen Operation in einer Airline oder einem gewerblichen Unternehmen widmet. Am Schluss dieser Theoriephase erhält der Schüler den Eintrag, dass er die Linienpilotentheorie erfolgreich absolviert hat. Da ihm die Praxiserfahrung noch fehlt, erhält er nur die sogenannte «eingefrorene Linienpilotenlizenz» (frozen ATPL), bis er 1500 Flugstunden absolviert hat und damit genügend operationelle Erfahrung gesammelt hat. Nach Erreichen dieser Flugstundenzahl und einer weiteren praktischen Prüfung wird die Linienpilotenlizenz «aufgetaut» (unfrozen) und wird voll gültig.

Multi Crew Course (MCC)

Der grösste Teil der Pilotenausbildung wird zwar im Klassenverband, aber in Single Pilot Operation (der Pilot arbeitet alleine in der Schulmaschine, die anderen Insassen und der Fluglehrer überwachen nur) durchgeführt. Da jedoch in Verkehrsflugzeug-Cockpits aus Redundanzgründen zwei Piloten zusammenarbeiten, wobei der eine den Flug durchführt und die Maschine steuert, während der zweite Pilot ihn überwacht, unterstützt und für ihn funkt, müssen die angehenden Linienpiloten lernen, im Team zu arbeiten. Dies geschieht in diesem Modul, während dessen in einem Simulator unter Anwendung der echten Airline-Verfahren die Zusammenarbeit unter normalen und abnormalen Flugzuständen erlernt wird.

Wer all diese Module hinter sich gebracht hat – entweder stückweise in einem modularen Ausbildungskonzept oder alles «aus einem Guss» in einem integrierten Kurs – ist bereit für die Übernahme durch eine Airline.